Kälteeinbruch nach Frühlingsphase: Leiden jetzt auch die Tiere?

Geposted von Mara Nowozin am

Der Frühling stand schon in den Startlöchern. Doch der plötzliche Wintereinbruch bringt noch einmal eisige Temperaturen und womöglich sogar Schnee zu uns zurück. Was das für Wildtiere, Insekten und die grosse Zahl an bereits blühenden Pflanzen im Garten bedeutet, haben unsere Experten für euch zusammengestellt.

Ab heute heisst es wieder: Wollmütze statt Sonnenbrille! Der Winter kehrt mit eisigen Temperaturen zurück und macht auch vielen Tieren und Pflanzen das Leben schwer. Zum Beispiel Schmetterlingen wie dem weit verbreiteten Kleinen Fuchs. Die ersten Exemplare, die schon als Frühlingsboten unterwegs waren, kann es jetzt kalt erwischen. Nachdem sie die Wintermonate in frostfreien Verstecken verschlafen haben, wurden sie von den milden Temperaturen und den ersten warmen Sonnenstrahlen geweckt. Doch nun drohen die farbenfrohen Falter und andere Frühflieger zu erfrieren.

Nicht jedes Tier verfügt über „eingebautes“ Frostschutzmittel 

Anderen Insekten wie den meisten bereits aktiven Wildbienen kann selbst der späte Frost (fast) nichts anhaben. Der Grund: Sie haben körpereigenesBeeHome Wildbienenhotel bei Frost"Frostschutzmittel", anhand dessen sie den Gefrierpunkt ihres Körper senken und so in eine Winterstarre verfallen – sogar wenn sie schon aus ihren Nestern geschlüpft und ausgeflogen sind. Wie genau das funktioniert erklären wir dir in diesem Blogbeitrag.

 

„Viele Wildbienenfreunde sorgen sich nun um ihre Schützlinge in den Nisthilfen. Aber da können wir beruhigen: Wildbienen sind sehr robust und überstehen auch Frostperioden problemlos“, sagt Yannick Schauwecker, unser Wildbienen-Experte.

Trotzdem: Wenn die Temperaturen „Jojo spielen“ und die Wildbienen gleich mehrfach hintereinander zwischen Aktivität und Kältestarre wechseln müssen, zehrt das irgendwann auch an ihren Kräften.

Um die kleinen Brummer beim Auftanken zu unterstützen, empfiehlt Yannick Schauwecker, den Garten oder den Balkon mit einem breiten Angebot an (möglichst robusten) Frühblühern zu bepflanzen. Die Insekten werden sich nach dem überstandenen Kälteschock auf dieses All-You-Can-Eat-Buffet nur so stürzen. Die geeigneten Pflanzen dafür findest du hier.

Vögel reagieren dagegen ganz unterschiedlich auf den späten Kälteeinbruch. Manche reisefaulen Zugvögel wie Kraniche brechen nun womöglich doch noch Richtung wärmerer Süden auf. Wer stattdessen bisher nur heftig gebalzt – aber noch keinen Erfolg erzielt – hat, geht bei einem plötzliche Kälte- und Wintereinbruch stattdessen noch einmal auf mühsame Nahrungssuche.

Besonders hart trifft die späte Kälte jedoch vor allem frühe Brutpaare. Denn ist der Nachwuchs bereits da, kann ein plötzlicher Wintereinbruch mit Schnee und zugefrorenen Gewässern für die anfälligen Jungvögel schnell tödlich enden! 
Deshalb gilt: Bei geschlossener Schneedecke und Dauerfrost ist Vogelfutter auf dem Balkon und im Garten eine wichtige Hilfe.  

Laubschicht schützt Gartenpflanzen vor Frost

Und die Pflanzen im Garten? Die freuen sich über eine isolierende Laubschicht. Garten- und Pflanzenfachmann Yannick Schauwecker empfiehlt daher:

„Wer im Herbst die heruntergefallenen Blätter unter Büschen und auf Beeten einfach liegenlässt, schützt seine Pflanzen vor Erfrierungen. Kälteempfindliche Topfpflanzen wie zum Beispiel Basilikum bringt man aber trotzdem am besten an einen frostfreien Ort oder schützt sie mit einem Pflanzensack.“

Wer diesen nicht griffbereit hat, kann auch einfach einen Jutesack oder Vlies nehmen und diesen über die Pflanzen stülpen. 

Für Obstbauern sind Frosteinbrüche zur Blütezeit übrigens ein absoluter Albtraum. Denn erfrorene Blüten können keine Früchte mehr hervorbringen. Der Baum nimmt dadurch zwar keinen Schaden, aber der Obstbauer leidet möglicherweise unter den Ernteeinbussen. Und die sollte man gerade in diesem Jahr unbedingt verhindern. 

Bleibt noch die Frage: Wie häufig sind späte Wintereinbrüche überhaupt?  

Der letzte heftige April-Wintereinbruch mit bis zu einem halben Meter Schnee im Flachland liegt bei unserem Nachbarland Deutschland mittlerweile sechs Jahre zurück.

Doch Anfang der 1980er gab es beispielsweise auch mal zwei Jahre hintereinander Schnee rund um (und sogar noch nach) Ostern: In München lag am 25. April 1980 eine 13 Zentimeter dicke Schneedecke - allerdings ohne ausgiebige Wärmeperiode davor. Fast genau ein Jahr später fielen sogar an der Nordsee so spät im Jahr die Flocken. Drei Zentimeter Schnee lagen am 23. April 1981 in St. Peter-Ording. 

Manche Wetterexperten sagen, dass man etwa alle zehn Jahre mit einem späten Wintereinbruch rechnen könne. Das Gute daran für Mensch und Tier: Nach dem späten Bibbern kommt dann endlich die warme Frühlingssonne!  

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