Warum erfrieren die Wildbienen im Winter nicht?

Publié par Mara Nowozin le

Wenn es draussen friert und schneit, fragen sich viele, ob ihre Wildbienen den kalten Winter auch gut überstehen. Aber keine Sorge: Wildbienen haben wie viele andere Lebewesen ausgezeichnete Tricks gefunden, um unbeschadet in den Frühling zu starten.

Die kalte Jahreszeit stellt für viele Lebewesen eine grosse Herausforderung dar. Doch im Lauf der Jahrmillionen haben alle Pflanzen und Tiere der gemässigten Breiten eine Antwort auf den Winter gefunden. Pflanzen stellen ihr Wachstum ein, werfen ihre Blätter ab oder überdauern als Zwiebeln im Boden. Wirbeltiere wandern in wärmere Gebiete, legen Vorräte an oder halten einen Winterschlaf.

Langstreckenflieger: Der nordamerikanische Monarchfalter kann bis zu 3000 Kilometer zurücklegen, um vor der Winterkälte zu fliehen.Langstreckenflieger: Der nordamerikanische Monarchfalter kann bis zu 3000 Kilometer zurücklegen, um vor der Winterkälte zu fliehen.

Natürlich haben auch die Insekten Wege gefunden, um gut im Frühjahr anzukommen. Die meisten von ihnen halten eine Art Winterschlaf – entweder als Ei, Larve, Puppe oder als erwachsenes Tier. Einige Arten unternehmen aber auch richtige Wanderungen wie die Zugvögel. Wer im Winter hier bleibt, muss eine besondere Herausforderung meistern: den Gefrierpunkt des Wassers. Säugetiere können ihre Körpertemperatur kontrollieren und dadurch verhindern, dass das Wasser in ihnen gefriert. Insekten können das nicht. Sie sind immer so warm oder kalt wie die Luft. Um zu verhindern, dass sie zu Eis erstarren, produzieren sie in ihrem Körper einfach eine Art Frostschutzmittel. Mit diesem Trick können manche Käfer aus der Arktis bis zu -80°C überleben!

Was essen Wildbienen im Winter?

Unsere Mauerbienen beherrschen diesen und andere Tricks natürlich auch. Mit ihren natürlichen Frostschutzmitteln verhindern sie das sie gefrieren, darum können sie auch Temperaturen bis -25°C überstehen. Es bleibt noch ein weiteres Problem: Was essen während des Winters? Die Antwort ist einfach: nichts. Während dem Winterschlaf verlangsamt sich ihr Stoffwechsel und sie benötigen kaum Nahrung. Hier helfen auch die niedrigen Temperaturen, dies verlangsamt ihren Stoffwechsel noch weiter und ihr Fettvorrat hält länger. Während dieser Zeit verlieren die Bienen 10 bis 15 % ihres Gewichts! Dies ist auch ein Grund warum Sie Ihre Wildbienen im Winter draussen lassen sollten. In der Wärme beschleunigt sich der Stoffwechsel wieder und die Tiere verbrauchen zu viel Energie. 

Interessante Fakten zum Winterschlaf der Mauerbienen
  1. Die Tiere verbrauchen vor dem Winterschlaf viel weniger Sauerstoff als währenddessen, verbrauchen aber trotzdem viel weniger Fett.
  2. Die Tiere müssen mindestens 90 Tage im Winterschlaf sein, sonst leidet ihre Fitness nach dem Schlupf. Sollte der Winterschlaf aber länger als 270 Tage dauern, fangen sie an zu sterben.
  3. Je länger der Winterschlaf, desto schneller schlüpfen die Mauerbienen, wenn es warm ist. Das ist eine Absicherung gegen zu frühen Schlupf, z.B. wenn es im Dezember ein paar Tage ungewöhnlich warm ist. 
  4. Die Rote Mauerbiene (Osmia bicornis) ist eine der wenigen Bienen, die als erwachsene Tiere überwintert. Die meisten überwintern als Puppen oder Larven. Dadurch können die Rote Mauerbienen viel früher im Jahr fliegen. Die anderen Bienen müssen erst ihre Metamorphose beenden.
  5. Der Winterschlaf wird durch Hormone gesteuert, darunter solche, die auch für die Metamorphose und Häutung der Larve verantwortlich sind.

Nest Osmia Bicornis

Blick in die Winterstube. In diesem Niströhrchen schlafen neun Rote Mauerbienen in ihren Kokons. Sie können Temperaturen bis -25 Grad Celsius überstehen.
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