Vom winzigen Ei zur fleissigen Wildbiene

Publié par Holger Thissen le

Bevor eine Mauerbiene zu ihrem ersten Flug startet, hat sie in ihrem kleinen Nest schon viel erlebt. Wenn unsere kleine Mauerbiene Corni reden könnte, würde sie ihre Geschichte ungefähr so erzählen:

Corni kommt auf die Welt

Meine Mama war genauso fleissig wie ich. Für mich und meine Geschwister hat sie im Frühling eine schöne, runde Niströhre ausgesucht und pausenlos Pollen und Nektar gesammelt. Daraus hat sie in jeder Brutzelle ein leckeres Pollenbrot geformt und mich am Schluss als kleines, milchiges Ei darauf gelegt.

Corni schlüpft aus dem Ei

Wie es als Ei war, weiss ich gar nicht mehr. Es dauerte auch nur drei oder vier Tage, bis ich schlüpfte und mich als Larve mit einem riesigen Appetit über den Essensberg hermachte.

Kokon in Schublade

Hier siehst du Cornis Schwestern, wie sie sich im Frühling als Larven durch das gelbe Pollenbrot futtern. Der kleine milchige Punkt rechts von der Bildmitte ist die Larve. Aufgenommen durch die Schublade des BeeHome Observer

Corni frisst sich durchs Pollenbrot

Hmm, lecker. Wenn man nichts anderes zu tun hat, als den ganzen Tag essen, gibt es nichts Besseres als Pollenbrot. Tagelang futtere ich und werde mit jedem Bissen grösser und dicker. So schnell, dass ich mich in der ersten Woche schon dreimal häuten muss. Es dauert auch nur drei oder vier Wochen, bis das ganze Pollenbrot weg ist und ich als fette Larve vorne und hinten an die Lehmwände meines kleinen Kinderzimmers stosse. Da weiß ich: Es ist Zeit für Veränderung.

Corni baut sich einen Kokon 

Für meine bevorstehende Verwandlung will ich eine feste Schutzhülle und fange an, um mich herum einen braunen Kokon aus einer speziellen Körperflüssigkeit zu spinnen. Das ist ganz schön anstrengend, weil ich dickes Würmchen mich dazu in der kleinen Zelle ständig hin und her winden muss. Zum Glück habe ich als Larve genug Kraft getankt, so dass ich ab jetzt nur noch wenig fressen muss.

Corni verpuppt sich

Jetzt, wo mein Kokon fertig ist, brauche ich erst einmal eine Pause. Zwei Wochen lang liege ich nur in meinem gemütlichen Schlafsack rum. Dann bin ich bereit für die grösste Veränderung meines Lebens. Ich verwandle mich in mehreren Schritten von einer molligen Larve zu einer hübschen Mauerbiene. Was da genau mit mir passiert ist, kann ich nicht sagen. Aber es hat ständig so angenehm gekribbelt, als würde Mineralwasser den ganzen Körper von innen kitzeln. Es muss jetzt August sein.

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Mauerbienen verschlafen den ganzen Winter als fertig entwickelte Insekten in ihren Kokons. So sieht es aus, wenn man den Kokon vorsichtig aufschneidet

Corni schläft sich aus

Auf einmal hört das Kribbeln auf und ich fühle mich in meinem Kokon wie eine richtige Mauerbiene. Und was ist das? Ich kann zum ersten Mal nicht nur fühlen, sondern auch sehen, wenn auch nur tiefes Schwarz. Zum Glück bin ich so müde, dass mir sofort die grossen, schwarzen Augen “zufallen” und ich in einen langen, erholsamen Schlaf sinke.

Corni knabbert sich ins Freie

Uaaah, was weckt mich denn da? Überall knistert, krümelt und rumpelt es in der Röhre. Mir  ist das zu viel Tumult so kurz nach dem Aufwachen. Ich fühle mich noch so erschlagen, als hätte ich den ganzen Winter verschlafen. Doch dann werde ich neugierig. Was da draussen wohl los ist? Ich knabbere mich in wenigen Minuten durch den Kokon, dann durch eine Lehmwand und sehe eine andere Biene neben mir. Es muss eine Schwester sein, die schon vor mir geschlüpft ist in der Nachbarbrutzelle. Kurz darauf schiebt sie sich mit ihrem rostroten Pelz Richtung Ausgang, wartet einen Augenblick und – schon ist sie weg.

Paarung Osmia

Paarung auf einer Blüte, das Weibchen trägt das kleinere Männchen Huckepack. Anschließend beginnt es mit dem Nestbau. 

Corni fliegt los

Jetzt sehe ich zum ersten Mal das Sonnenlicht als kleinen hellen Punkt am Ende der Niströhre. Schnell krabble ich Richtung Ausgang, strecke meinen Kopf in die warme Sonne und – habe auf einmal so ein Drücken im Bauch. Na klar, nach der langen Winterruhe muss jetzt alles raus aus meinem Darm. So, und jetzt will ich losfliegen und mich an der ersten Blüte stärken.

 
Corni findet einen Mann – oder besser: Der Mann findet Corni

Gut gelandet. Für meinen ersten Flugversuch war das gar nicht schlecht. Hmmm, und wie lecker der Nektar in den Blüten schmeckt. Ups, wer packt mich da? Heee, was soll denn das, ich bin gerade beim Essen, mein Lieber. Na ja, dann muss das halt warten. Das Männchen auf meinem Rücken sieht mit seinen lustigen, hellen Barthaaren ja auch ganz nett aus.

Corni baut ein Nest

Jetzt bin ich eine richtig grosse Mauerbiene, wie meine Mama früher. Schade, dass sie jetzt nicht sehen kann, wie fleissig ich Pollen für meine eigenen Kinder sammle…

 

Willst du auch Corni und ihre Geschwister treffen? Schau doch mal hier!

Unser Beitrag wurde vom Verlagshaus Twinkl in ihren Artikel zum Thema Bienenschutz empfohlen.

Mauerbiene

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